Runter mit der Fassade

Jeder möchte individuell sein, doch wehe,

jemand hebt sich von der Masse ab! Viele in unserer Gesellschaft hegen den Wunsch frei, selbstbestimmt und mit Leichtigkeit im Luxus zu leben. Um im Umfeld jedem zu demonstrieren, wie erfolgreich und mühelos das gelingt, wird jeder Bereich des Lebens ausgiebig und übersorgfältig zur Schau gestellt.

Das Auto, der Urlaub, die Wohnung, der Goldfisch, sogar das Frühstück und der Kaffee zwischendurch werden optimal ausgeleuchtet und als Erlebnis der besonderen Art präsentiert. Niemand würde in den sozialen Netzwerken posten, wie verpennt er am Morgen in den Tag startet, wie das Auto von innen aussieht oder die Kaffeetasse ablichten, wenn sie ausgetrunken ist. Meine Erfahrung und ein Blick hinter die eine oder andere Fassade lässt mich staunen. Die schöne Scheinwelt der Social-Media-„Stars“ ist meist nicht mehr als eine Illusion. Werte wie Fleiss, Kreativität, Nachhaltigkeit und die Motivation, etwas von der Pike auf aufzubauen, scheinen neben dem Wunsch nach schnellem Aufstieg durch Anerkennung unterzugehen. Mantras wie „Es muss alles leicht und mühelos“ geschehen, erwecken den Eindruck, wer sich anstrengt, ist auf dem falschen Weg. Wer den sogenannten Flow-Zustand nicht erreicht, macht was falsch. Der Wunsch, ein Ziel zu erreichen, ist so stark, dass die Absicht und der Weg dorthin dabei zweitrangig oder ganz vergessen wird. Das Geheimnis liegt für mich jedoch im Mittelweg. Fliessende Kreativität, spontane Ideen, Menschen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen, hat nichts mit Glück zu tun. Es ist das Zusammentreffen von klarer Zielsetzung, unerschütterlichem Glauben, die Zuversicht, das Ziel zu erreichen und die Bodenständigkeit, sich auf dem Weg auch die Ärmel hochzukrempeln und anzupacken. Ich durfte in letzter Zeit vielen Menschen begegnen und den Austausch über alle Bereiche des Lebens geniessen. Echt, rein und ohne Filter. Mir wurde wieder einmal klar, wahrer Reichtum ist, im Jetzt zu leben, statt auf gefilterten Bildern, in einer Scheinwelt. Auch wenn ich mir jetzt alt und besserwisserisch vorkomme, bleibt mir nur zu sagen: Früher ohne Social-Media war‘s viel besser! 

Dankeschön Phil und Mario für den Denkanstoss. 

 Kolumne Winterthurer Zeitung 15.8.2018

 

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